Abschlussarbeiten


Zusammenfassung von Abschlussarbeiten in der Arbeitsgruppe GEOPOLAR






Felgener, Sandra, 2002. Rekonstruktion der holozänen Umweltbedingungen am Beispiel des Sees Pastorendiek im Landkreis Diepholz, Niedersachsen

Die Rekonstruktion der holozänen Umweltveränderungen in der Umgebung des Sees Pastorendiek im Landkreis Diepholz, Niedersachsen, erfolgte mittels sedimentologischer und pollenanalytischer Methoden. Anhand der sedimentologischen Parameter (Roh- und Trockendichte, Wassergehalt, Porosität, Gesamtgehalte an Kohlenstoff, Stickstoff, Schwefel, organischer Substanz und biogenes Silizium) und der pollenanalytischen Ergebnisse wurde versucht, die Entwicklungsgeschichte des Sees Pastorendiek zu rekonstruieren.

Das Pollendiagramm setzt nach der vorgenommenen Pollenzonierung im Älteren Atlantikum ein. Anhand der Pollenanalyse liessen sich die Grundzüge der regionalen Waldentwicklung vom Älteren Atlantikum bis ins Jüngere Subatlantikum nachvollziehen. Die hohen Betula- und Alnus-Anteile wiesen jedoch auf eine Dominanz der lokale Vegetation im Pollendiagramm hin.

Aufgrund der fehlenden absoluten Datierung war eine Zuordnung der Pollendaten in kulturhistorische Epochen schwierig. Die Ergebnisse dieses Kapitels können daher nur als Versuch betrachtet werden und stellen keine gesicherten Aussagen dar. Anhand des Auftretens siedlungszeigender Pollentypen liessen sich jedoch Phasen stärkerer und schwächerer Besiedlung ausmachen. Zudem fanden sich šbereinstimmungen mit anderen Pollendiagrammen der Region. Rodungsphasen liessen sich zum Teil auch anhand der sedimentologischen Parameter (Trockendichte, Wassergehalt) nachvollziehen. Schwefel- und Kohlenstoffgehalt der Sedimente wiesen in den oberen Sedimentschichten auf eine anthropogene Beeinflussung hin.

Die Gew„sserentwicklung liess sich sowohl anhand der physikalischen und chemischen Sedimentparameter als auch anhand der pollenanalytischen Ergebnisse untersuchen. Hierbei liess sich einerseits die Gewässerentwicklung mit Hilfe der Vegetationszusammensetzung in der unmittelbaren Umgebung des Pastorendieks verfolgen. Auf der anderen Seite lieferten die physikalischen und chemischen Sedimentparameter Hinweise auf Änderungen der Ablagerungsverhältnisse. Rückschlüsse auf die Trophieverhältnisse während des Ablagerungszeitraums der Sedimente liessen sich nicht eindeutig ziehen. Die vermutlich hohe Rücklösung des biogenen Siliziums im flachen Wasser des Pastorendieks sowie der hohe allochthone Eintrag organischer Substanz führt hierbei allenfalls zu undeutlichen Signalen. Nur die sich ändernde Vegetationszusammensetzung des Seebereiches liefert einige Hinweise auf Trophieänderungen.





Kappel, Antje, 2002. Holozäne Umweltbedingungen rekonstruiert am Beispiel eines Sedimentprofils aus dem Varreler Schlatt, Landkreis Diepholz

In der Diplomarbeit wurde anhand pollenanalytischer und sedimentologischer Untersuchungen versucht die spätglaziale und postglaziale Vegetationsentwicklung im und am Varreler Schlatt infolge sich verändernder Umweltbedingungen zu rekonstruieren (Abb. 16).

Die Diplomarbeit hat gezeigt, dass die Entwicklung am und im Varreler Schlatt ein multivariables Komplexsystem bildet. Die Entwicklung der Ökosysteme Wald und Moor werden bis zum Subboreal ausschließlich von spät- und postglazialen natürlichen Umweltbedingungen gesteuert. Zu diesen natürlichen Umweltbedingungen zählen insbesondere Hydrologie, Klima, Geologie und Boden. Ab dem Subboreal tritt zusätzlich der Einfluss des Menschen auf. Zudem bestehen zwischen den einzelnen Variablen vielfältige Wechselbeziehungen.

Die Hydrologie steuerte z.B. über den Seespiegelanstieg und -rückgang direkt die Entwicklung des Sees und Moores hinsichtlich der Verlandungszyklen. Gleichzeitig wurde die Hydrologie von der Höhe der Niederschlagsmengen beeinflusst. Zusätzlich bestimmte die Wasserdurchlässigkeit der umliegenden Gesteine die Menge des Wasserzuflusses in das Varreler Schlatt, aber auch die Wasserverfügbarkeit am Varreler Schlatt. Mit dem Zufluss wurden auch Nährstoffe und Säuren in das Moor eingetragen und somit die Nährstoffverhältnisse verändert.

Das Klima beeinflusste über Temperaturänderungen vor allem die Entstehung geschlossener und offener Vegetationsdecken sowie das Auftreten kälte- bzw. wärmeliebender Pflanzenarten am Varreler Schlatt. Zusätzlich steuerte die Wasserverfügbarkeit in Abhängigkeit des Niederschlages neben der allgemeinen Vegetationsentwicklung am Moor auch einzelne Verlandungszyklen und Entwicklungsphasen im Varreler Schlatt.

Geologie und Boden sind eng, z.B. durch die Entstehung der Pseudogleye und Parabraunerden aus den vorgegebenen Ablagerungen, am Varreler Schlatt verbunden (vgl. Kap. 2.3). Durch die stauend wirkenden Schichten im Unterboden infolge Lessivierung und Pseudovergleyung sowie der vorhandenen lehmigen Grundmoräne konnten sich in Abhängigkeit von höheren Niederschlägen bestimmte Pflanzen, insbesondere Alnus, in den feuchten Bodenregionen ansiedeln und Bruchwälder ausbilden. Zusätzlich bestimmte zunächst das Vorhandensein nährstoffreicher Sedimente in den Oberböden das Wachstum typischer Pflanzengesellschaften am und im Schlatt. Mit der zunehmenden Nährstoffverarmung änderte sich dann auch die Zusammensetzung dieser Gesellschaften. Des weiteren ermöglichten erst die pleistozänen Ablagerungen, einschließlich Bodeneis, die Entstehung eines Sees und damit eines Moores im Varreler Schlatt.





Baier, Janina, 2002. Diatomeen als Indikatoren für Umwelt- und Klimaänderungen - Eine mittel- bis spätholozäne paläolimnologische Studie am Holzmaar, Westeifel.

In dieser Arbeit wurde die paläolimnologische Entwicklung des Holzmaars im Zeitraum 6340 bis 1470 cal yr BP rekonstruiert, mit dem Ziel paläoklimatische Änderungen und den Einfluss menschlicher Aktivität auf das Ökosystem Holzmaar festhalten zu können. Der Schwerpunkt lag auf der Untersuchung der fossilen Diatomeenvergesellschaftungen, der entsprechenden Warvenstruktur sowie auf geochemischen Analysen. Insgesamt wurden 138 Diatomeenpräparate analysiert. Im Rahmen der Warvenstrukturanalyse wurde der Abschnitt von 6340 bis 2110 cal yr BP durchgehend, bis auf Sublagenniveau, gezählt, während im oberen Bereich (2110 bis 1470 cal yr BP) die Warven qualitativ untersucht wurden. Für die geochemischen Untersuchungen wurde der Sedimentabschnitt lückenlos beprobt, um an den resultierenden 317 Proben biogenes Silizium, organischen Kohlenstoff, Stickstoff und Schwefel zu bestimmen.

Die fossilen Diatomeenvergesellschaftungen, die im Durchschnitt zu >80 % von planktischen Diatomeenarten dominiert werden, zeigten deutliche Änderungen in dem untersuchten Zeitraum. Von dieser grundsätzlichen Zusammensetzung ist der Abschnitt nach 2450 cal yr BP ausgenommen, denn periphytische Arten erreichten in dieser Zeit im Mittel einen Anteil von ca. 30 % an den Diatomeenvergesellschaftungen. Mittels einer Cluster-Analyse wurde die Diatomeenstratigraphie der häufigsten Arten (über 1 % relative Häufigkeit in mindestens drei Proben) in acht lokale Diatomeenvergesellschaftungszonen (LDVZ) eingeteilt. Die LDVZ werden, vereinfacht ausgedrückt, wahlweise von der Paarung Stephanodiscus minutulus und Nitzschia paleacea oder von Cyclotella-Arten (hauptsächlich C. radiosa, C. ocellata, C. comensis) bzw. von Asterionella formosa in Kombination mit langen Fragilaria-Arten (F. nanana, F. tenera, F. ulna var. acus) dominiert.

Mit dem Wissen über die Zusammensetzung der Diatomeenvergesellschaftung wurden die hellen Lagen der Warven in die entsprechenden Diatomeensublagen unterteilt und vermessen. Es zeigte sich, dass lediglich die hellen Lagen der Warvenzone I (6340 bis 5900 cal yr BP) überwiegend aus zwei Sublagen bestehen. In allen anderen Warvenzonen herrschen helle Lagen vor, die im Schnitt nur aus einer Diatomeenblüte aufgebaut sind. Die Warvenmächtigkeiten zeigten Maxima zwischen 6350 und 5900 cal yr BP sowie zwischen 2660 und 2220 cal yr BP. Die Mächtigkeiten waren am geringsten zwischen 4500 und 2940 cal yr BP. Über die Detailanalyse der Warven konnte festgestellt werden, dass zwischen 5290 und 3650 cal yr BP nicht Diatomeen, sondern Chrysophyten wesentlich am Warvenaufbau beteiligt waren. Im Zeitraum von 5290 bis 4600 cal yr BP formten die silifizierten Schuppen und Borsten der Art Mallomonas caudata mächtige helle Lagen. Zwischen 4500 und 3650 cal yr BP waren die Zysten der Chrysophyten die häufigsten Lagenbildner, allerdings wiesen diese stets geringe Mächtigkeiten auf. Mallomonas caudata war im übrigen nach 1630 cal yr BP ein zweites Mal Hauptbildner der hellen Lage. Über die getrennte Betrachtung der hellen und dunklen Lagen konnte der sprunghafte Anstieg der Warvenmächtigkeit, der mit dem Beginn der Eisenzeit (ca. 2660 cal yr BP) einsetzte, analysiert werden. Es zeigte sich, dass die Zunahme der Warvenmächtigkeit zunächst nur durch die hellen Lagen bedingt wurde. Ein abrupter Anstieg der Mächtigkeiten der dunklen Lagen fand erst ca. 35 Jahre später (um 2625 cal yr BP) statt. Die strikte Trennung zwischen hellen und dunklen Lagen verwischte sich nach ca. 2460 cal yr BP zunehmend, dadurch dass klastisches Material über die gesamte Warve verteilt vorkam. Erst nach 1870 cal yr BP ließen sich beide Warvenbestandteile wieder deutlicher unterscheiden.

Die geochemische Analyse ergab, dass über die Hälfte des Sediments in den Abschnitten 6340 bis 6060 cal yr BP, 5100 bis 2660 cal yr BP sowie zwischen 1700 bis 1470 cal yr BP aus organogenem Material besteht. In den Abschnitten 6060 bis 5100 cal yr BP und 2020 bis 1700 cal yr BP überwiegt dagegen der Anteil des klastischen Materials im Sediment. Auf der Basis der Konzentrationen der geochemischen Variablen (biogenes Silizium, Gesamtstickstoff, Gesamtschwefel) und der Sedimentationsraten wurden auch spezifische Akkumulationsraten berechnet. Diese erreichten maximale Werte in den Zeiträumen von 6340 bis 5100 cal yr BP (ausgehendes Atlantikum; Jungneolithikum) und von 2700 bis 1700 cal yr BP (Subatlantikum; Eisen- und Römerzeit). Besonders niedrige spezifische Akkumulationsraten wurden im Zeitabschnitt 5100 bis 2700 cal yr BP (Subboreal; Jung- und Endneolithikum sowie Bronzezeit) beobachtet.

Der Schwerpunkt der Auswertung lag auf der Rekonstruktion der Trophie-Entwicklung des Holzmaars. Dafür wurden zum einen Gesamtphosphor (TP)-Transferfunktionen angewandt, und zum anderen wurden die Diatomeenschalen-Produktivität sowie die im Pelagial produzierte Biomasse silifizierter und nicht- silifizierter Algen berechnet.

Für die quantitative TP-Rekonstruktion standen drei Transferfunktionen zur Auswahl. Diese beruhen auf einem Kalibrationsdatensatz brandenburgischer Gewässer (Schönfelder et al., 2002), auf einem Kalibrationsdatensatz aus NW-Europa (Bennion et al., 1996b), sowie auf einem Kalibrationsdatensatz westeuropäischer Gewässer (Juggins et al., unveröffentlicht). Die Auswahl einer der drei TP- Transferfunktionen für die weitergehende Interpretation stützte sich auf fünf verschiedene Validierungsmethoden (Vorhersagefehler, probenspezifischer Fehler, Analogien zwischen rezenten und fossilen Vergesellschaftungen, passive Kanonische Korrespondenzanalyse, Hauptkomponentenanalyse). Die eingehende Auswertung ergab, dass letztendlich das Abschneiden bei der passiven Kanonischen Korrespondenzanalyse ausschlaggebend für die Auswahl war. Hier zeigte sich, dass die fossilen Diatomeenvergesellschaftungen besonders indikativ für TP sind, ausgehend vom Kalibrationsdatensatz Brandenburg, weshalb dieser für alle weiteren Untersuchungen und für die spätere Interpretation ausgewählt wurde. Die TP-Rekonstruktion mittels der Transferfunktion Brandenburg ergab, dass in dem untersuchten Abschnitt das Holzmaar zwei nährstoffreicheren (6340 bis 5100 cal yr BP und 3660 bis 2100 cal yr BP) und zwei nährstoffärmeren (5100 bis 3660 cal yr BP und 2100 bis 1470 cal yr BP) Phasen ausgesetzt war.

Für den zweiten Teil der Trophie-Rekonstruktion, der auf der im Pelagial produzierten silifizierten Biomasse beruhte, wurden zunächst die jeweiligen Anteile des Planktons und des Periphytons berechnet. Dies war notwendig, um zwischen der scheinbaren und der tatsächlichen pelagialen Diatomeenproduktion unterscheiden zu können. Die Akkumulationsraten des biogenen Siliziums planktischer Diatomeen (SARBSi-Plankton) und die Akkumulationsraten planktischer Diatomeenschalen (SARDia-Plankton) sind signifikant korreliert. Die beiden Kurven deuten jeweils darauf hin, dass die höchsten Biomassenraten und die höchsten Diatomeenschalen-Produktionsraten zwischen 6340 und 5900 cal yr BP sowie nach 2650 cal yr BP erzielt wurden. Die Indikatoren pelagialer Diatomeenproduktivität zeigen wiederum die zu erwartende signifikante Korrelation mit den rekonstruierten TP-Werten. Gründe für die jedoch zeitweilige unabhängige Entwicklung der Trophie-Variablen werden in dieser Arbeit diskutiert.

Neben der silifizierten Biomasse wurde auch die Biomasse nicht-silifizierter Algen bestimmt. Zunächst wurde anhand des TOC/TN-Verhältnisses festgestellt, dass das organische Material (ORG) vorwiegend autochthon ist. Im folgenden wurde deshalb SARORG als Variable, die die produzierte Biomasse nicht-silifizierter Algen repräsentiert, verwendet. Die sedimentierte Biomasse nicht- silifizierter Algen (SARORG) war im Schnitt stets geringer als die silifizierter Algen (SARBSi). Das Verhältnis zwischen beiden Algengruppen (BSi/ORG) zeigt allerdings zwei auffällige Änderungen, deren Ursachen in der Arbeit diskutiert werden. Während zwischen 6340 und 4600 cal yr BP silifizierte Algen eindeutig über nicht-silifizierte Algen dominierten (BSi/ORG-Verhältnis = 2), wiesen zwischen 4600 und 2660 cal yr BP nicht-silifizierte einen leicht höheren Anteil auf (BSi/ORG-Verhältnis = 0,9). Nach 2660 cal yr BP war der Anteil silifizierter Algen wiederum größer als der nicht-silifizierter Algen (BSi/ORG-Verhältnis = 1,3).

Durch die zusammenfassende Betrachtung aller Daten in der abschließenden Diskussion wurde die paläolimnologische Entwicklung des Holzmaars nachgezeichnet. Basierend auf der Trophie-Entwicklung des Holzmaars und der Variabilität in den Diatomeenvergesellschaftungen wurden beispielsweise Änderungen der Nährstoffkonzentration, der Nährstoffzusammensetzung (z.B. Si/P-Verhältnis), des Zirkulationsverhaltens der Wassersäule, der Nährstoffquelle (interne oder externe Speisung) oder der Erosionsrate rekonstruiert. In einem weiteren Schritt wurden diese Erkenntnisse genutzt, um Wechsel zwischen feuchteren und trockeneren Phasen, sowie um Änderungen des saisonalen Temperaturgradienten feststellen zu können. Im Vergleich mit anderen Untersuchungsergebnissen der nördlichen Hemisphäre konnten die lokal festgestellten paläolimnologischen und paläoklimatischen Änderungen auch überregionalen Ereignissen um ca. 5800, 5100, 4500, 3660 und 2660 cal yr BP zugeordnet werden.

Mit dieser Arbeit konnte gezeigt werden, dass Diatomeen wichtige Informationen im Rahmen paläolimnologischer und paläoklimatischer Studien liefern. So zeugen die auffälligen und teilweise abrupten Änderungen der Diatomeenvergesellschaftungen in dem untersuchten Abschnitt davon, dass selbst minimale Änderungen der Temperatur, wie sie für das ausgehende Mittelholozän und beginnende Spätholozän prognostiziert wurden, aber auch einschneidende Änderungen, beispielsweise verursacht durch menschliche Aktivität, von ihnen erfasst werden.





Guerrero, Fernando, 2002. Sedimentologische und geochemische Untersuchungen an Oberflächenproben desKontinentalhanges und des Schelfgebietes vor Namibia und Südafrika

In der vorliegenden Arbeit wurden an 66 Oberflächenproben der Sedimente des Kontinentalhanges und des Schelfgebietes vor Namibia und Südafrika geochemische und granulometrische Parameter bestimmt. Basierend auf dem dabei erzeugten Datensatz konnten die rezenten Liefergebiete, Eintragsmechanismen und Verteilungsmuster der untersuchten Sedimente identifiziert werden. Der Einfluss von drei unterschiedlichen Eintragsmechanismen und ihre Modellierung durch Strömungen führt zu ausgesprochen komplexen Verteilungsmustern in den Sedimenten vor der Küste Namibias und Südafrikas. Die marine Produktion von Biomasse sowie der äolische und fluviatile Eintrag terrigenen siliziklastischen Materials erzeugen im Gesamtsediment Mischsignale mit regional sehr heterogener Ausprägung. Insbesondere in Küstennähe sind kleinräumig ausgeprägte Abweichungen vom generellen Trend einer Abnahme der Korngröße mit zunehmender Wassertiefe sowie signifikante Änderungen in der Sedimentzusammensetzung zu beobachten.

Zellen küstennahen Auftriebs von kaltem und nährstoffreichem SACW bilden sich über erhöhte Opal- und TOC-Gehalte in den küstennahen Sedimenten ab. Räumlich davon abgegrenzt indizieren hohe Karbonatgehalte auf dem inneren Schelf Bereiche durch Insolation erwärmten Auftriebswassers. Am Kontinentalhang spiegeln konstant hohe Werte den Einfluss des ozeanischen Milieus wieder. Zwischen Kunene- und Oranjemündung sowie bei 31 °S führen hohe Windgeschwindigkeiten zu einem intensiven Eintrag äolischen Materials aus der Namib, der Kalahari und dem Namaqualand. Hieraus ergibt sich auf dem Schelf - unterstützt durch strömungsbedingte Umlagerungen der Siltfraktion - eine Dominanz der terrigenen Sandfraktion. Dieses Sedimentationsmuster wird zwischen 22 °S und 24 °S von feinkörnigeren biogenen Sedimenten einer Opalzelle überprägt. Der lateralen Verfrachtung der Sandfraktion des fluviatilen Eintrags von Oranje und Oliphant durch Oberflächenströmungen in Richtung Norden steht die nach Süden gerichtete Verfrachtung der Silt- und Tonfraktion durch Bodenströmungen gegenüber. Der Sedimentationsraum nördlich des Walvisrückens ist von auftriebsinduzierter biogener Sedimentation weitgehend ausgeschlossen. Die siliziklastische Sedimentfracht des Kunene wird hier über den schmalen Schelf bis in die Tiefsee verfrachtet.

Die Korngrößenverteilungen der Gesamtfraktion und der terrigenen Siltfraktion erzeugen weitgehend übereinstimmende Sedimentationsmuster. Mit Hilfe von End-member Modellen wurden 3 synthetische Korngrößenverteilungen bestimmt. EM 1 und EM 2 werden dabei als grobkörniger äolischer und fluviatiler Eintrag, EM 3 als feinkörniger fluviatiler Eintrag und hemipelagischer Schlamm interpretiert. Die Anwendung des Koopmann-Index zur Identifizierung des äolischen Eintrags ist für die Sedimente vor Namibia und Südafrika in unmodifizierter Form nicht möglich.

Insgesamt zeigt sich, dass die gemessenen Parameter als Proxy für die rezenten Transport-, Eintrags-, und Sedimentationsmechanismen sowie für die ozeanographischen Bedingungen vor Namibia und Südafrika dienen können.

Eine Ausweitung der Untersuchungen mit höherer Probendichte könnte eine differenziertere Abschätzung der Grenzen der in dieser Arbeit diskutierten Sedimentationsräume ermöglichen und somit eine Grundlage für paläoozeanographische Untersuchungen bieten.





Eilers, Klaus, 2003. Entwicklung und rezente Morphodynamik des Odermündungsraumes.

Aus den Ergebnissen geowissenschaftlicher Forschungen konnten die Grundzüge der geomorphologischen Entwicklung des Odermündungsbereiches dargestellt werden. Nach seiner glaziären Anlage wurde er durch die Phasen eines Eisstausees, einer fluvial-limnischen Sedimentationsebene mit Einkerbungsphasen, einer relativ offenen Meeresbucht sowie eines durch küstendynamische Prozesse entstandenen lagunären Ästuars geprägt. Dabei bleiben noch viele Fragen offen. Dies betrifft in erster Linie den Deglaziationskomplex der Weichselvereisung und den Transgressionsverlauf des Litorina-Meeres im Mittelholozän.





Bluszcz, Philipp, 2003. Prozessstudien zur Kalibration sedimentärer Tracer. Partikeldynamik im Silvaplaner See (Südost-Schweiz).

Erstmalig wurde versucht mit einem umfassenden Datensatz von meteorologischen, hydrologischen und seephysikalischen Parametern sowie der genauen Untersuchung der rezenten Sedimentation mit Sedimentfallen die verschiedenen Einflussgrößen, die die Sedimentation innerhalb eines proglazialen Sees steuern, zu charakterisieren.

Die bisherigen Untersuchungen von LEEMANN (1993), LEEMANN & NIESSEN (1994) und OHLENDORF (1998) ergaben, dass sich im Silvaplaner See Jahresschichten (Warven) bilden. Die Jahresschichten entstehen durch saisonal variierenden Sedimenteintrag, der hauptsächlich aus der Suspension des Fexbaches stammt. Die Untersuchungen von Sedimentkernen haben gezeigt, dass die Menge des Sediments, also die Warvenmächtigkeit, mit der mittleren Sommertemperatur der Luft positiv korreliert (LEEMANN, 1993; OHLENDORF, 1998). Da die Sommertemperatur Einfluss auf die Massenbilanz der Gletscher ausübt, werden die Sedimentmächtigkeiten durch die Aktivität der Gletscher gesteuert. Ein detaillierter Vergleich mit Temperaturaufzeichnungen seit 1864 konnte diese These bestätigen. Bei diesen Untersuchungen wurde aber auch deutlich, dass der Gletscher und somit die mittlere Sommertemperatur nicht ausschließlich für die Warvenmächtigkeit maßgebend sein konnte (OHLENDORF, 1998). Folglich ist es notwendig, den Einfluss anderer Parameter zu bestimmen, um eine genaue paläoklimatische Interpretation des fossilen Sediments zu erreichen. Daher wurde die vom Fexbach eingetragene Suspension einer genaueren Untersuchung unterzogen und mit hydrologischen und meteorologischen Parametern verglichen. Insbesondere konnten verschiedene Ereignisse wie Starkregenereignisse oder Schnee- und Gletscherschmelze durch die Datensätze ermittelt und in ihrer Ausprägung beschrieben werden. Dabei gelang es den Einfluss von Starkniederschlägen auf die Suspensionsmenge und -art festzustellen und mit geochemischen, physikalischen und mineralogischen Methoden von der Gletschermilch zu unterscheiden. Während der Zeit vom 23.05.01 bis zum 05.11.02 wurden im Silvaplaner See mit Hilfe von zylindrischen und sequenziellen Sedimentfallen insgesamt 256 Sedimentproben gesammelt. Neben der Ermittlung der geochemischen Parameter Gesamtkohlenstoff, Gesamtstickstoff und Gesamtschwefel, wurden Korngrößenanalysen und röntgendiffraktometrische Analysen durchgeführt. Zur Temperaturaufzeichnung im See wurden parallel zu den zwei sequenziellen und sechs Zylinderfallen ab dem 05.12.01 zehn Thermistoren über die gesamte Wassersäule verteilt.

Meteorologische Daten des Einzugsgebietes - Niederschlag, Temperatur sowie Neuschneemengen und Wolkenbedeckung - wurden ausgewertet. Zudem wurde kontinuierlich im schmelzwasserführenden Fexbach der Pegel, die Trübung und die Wassertemperatur ermittelt.

Die Auswertung der meteorologischen Daten und der Sedimentmengen ergab, dass das Jahr 2001 durch höheren Niederschlag, höhere Neuschneemengen und höhere Durchschnittstemperaturen gekennzeichnet war als das Jahr 2002. Daraus resultiert für 2001 insgesamt eine größere Sedimentmenge. Die hydrologischen Daten des Fexbaches zeigen, dass breite asymmetrische Trübungsspitzen Schmelzwasserereignissen und schmale symmetrische Trübungsspitzen Niederschlagsereignissen zuzuordnen sind. Die Wassertemperatur im Fexbach folgt dabei im Wesentlichen der Lufttemperatur. Die Temperatur des Fexbaches und die der Wassersäule des Silvaplaner Sees sowie die Verteilung der Sedimente in den Fallen über den Untersuchungszeitraum verdeutlichen, dass das Sedimentationsgeschehen im Frühling durch "Underflows" und im Sommer hauptsächlich durch "Interflows" kontrolliert wird. Trübungs- und Pegeldaten zeigen, dass der Großteil der Sedimente durch den Fexbach eingebracht wird, zudem besitzt durch Starkniederschläge mobilisiertes Material ebenfalls einen hohen Einfluss auf den Sedimenttransport im Fluss und somit auch auf die Sedimentation. Während die Betrachtung der geochemischen Parameter Gesamtkohlenstoff, Gesamtstickstoff und Gesamtschwefel nur wenig Aussagen zuließ, war mit dem C/N-Verhältnis eine Bewertung des allochthonen Einflusses möglich, wobei dieser durch hohe C/N-Verhältnisse charakterisiert ist.

Die Ergebnisse der Korngrößenanalysen zeigten deutliche Unterschiede bei den Sand- und Siltgehalten. Zusammen mit den Niederschlagsdaten war eine deutliche Kennzeichnung des durch Niederschläge eingebrachten Sediments möglich. Diese Unterscheidung konnte ebenfalls mit Hilfe der Bestimmung von Mineralverhältnissen gemacht werden, da unterschiedlich hohe Verhältnisse von Chlorit zu Biotit/Muskovit und Quarz zu Biotit/Muskovit im Einzugsgebiet des Sees unterschiedliche Sedimentquellen widerspiegeln.

Insbesondere der Einfluss von Starkniederschlägen mit 20 mm oder mehr innerhalb von 24 Stunden konnte durch die genannten Mineralverhältnisse in den Sedimentfallen rekonstruiert werden.

Literatur:





Schwarze, Sonja, 2003. Vulkanismus - Gefahr und Faszination für Menschen: Entwicklung von internet-basierten Arbeitsmaterialien für den Einsatz in der Sekundarstufe II.

Durch repräsentative Studien wurde festgestellt, das für Schüler der Themenbereich "Naturkatastrophen" im Geographieunterricht besonders interessant ist. Außerdem wird ihr Interesse an einem Thema noch gesteigert, wenn das Internet als Unterrichtsmedium eingesetzt wird (vgl. HEMMER/HEMMER, 2002 ; SCHLEICHER, 2003).

Zentrale Frage der Arbeit war es deshalb, in wieweit sich eine Internetseite zur didaktischen Aufbereitung eines Themas aus dem Bereich der Naturkatastrophen eignet. Die Vorteile dieser Darstellungsform sollten umgesetzt und die negativen Aspekte möglichst vermieden werden. Exemplarisch wurde dazu das Thema "Vulkanismus" ausgewählt. Die Darstellung der naturwissenschaftlichen Grundlagen sollte mit gesellschaftswissenschaftlichen Aspekten verknüpft werden. Innerhalb der Internetseite wird geklärt, warum Vulkangebiete überhaupt von Menschen besiedelt werden, welche Gefahren sie davon abhalten sollten und mit welchen Methoden die Bevölkerung geschützt werden kann.

Bei der Erstellung der Internetseite war ein zentraler Punkt die didaktische Aufbereitung der Informationen. Verständliche Texte sollten durch eine große Zahl von Fotos, Schemazeichnungen, Diagrammen, Animationen und Videos visualisiert werden. Die Vorteile der Darstellung mittels einer Internetseite liegen vor allem in diesem Bereich. Abstrakte Informationen können mit den sogenannten "Neuen Medien" besser veranschaulicht werden, als mit herkömmlichen Unterrichtsmethoden. Die Ermöglichung der selbständigen Navigation mittels Hyperlinks ist ein weiterer Vorteil. Zur Verhinderung eines Orientierungsverlustes wurde eine übersichtliche Struktur angelegt, die dem Nutzer Orientierungshilfen bietet.

Es entstand eine Sammlung von internet-basierten Materialien, die im Rahmen anderer Methoden im Geographieunterricht sowie als Informationsquelle im privaten Bereich verwendet werden können.

Literatur:





Kück, Barbara, 2005. Sedimentologische Studie zur Erfassung hydrologischer Variationen anhand von Ablagerungen aus dem Kratersee Laguna Potrok Aike (Südpatagonien, Argentinien).

Die Laguna Potrok Aike befindet sich im Pali Aike Vulkanfeld in der Provinz Santa Cruz (Süd-Argentinien). Dieser Kratersee ist ein permanent wassergefüllter See, der sich in der semiariden Steppe Patagoniens befindet. Aus diesem Gebiet existieren nur wenige bis in das letzte Glazial zurückreichende und hochaufgelöste kontinentale Klimaarchive. Der Sedimentkern (PTA 03/6) wurde im See auf einer 30 m tiefen subaquatischen Seespiegelterrasse entnommen.

Durch seismische Untersuchungen ist dort eine Diskordanz nachweisbar, die sich im Sediment in einer Tiefe von 311 cm bei fast allen gemessenen sedimentologischen und palynologischen Proxy-Parametern wiederfindet. Dabei zeigt sich eine Dreiteilung des Sedimentprofils: Der untere Bereich reicht von 819 bis 384 cm Tiefe. Er kennzeichnet einen ungefähr 5.000 Jahre andauernden Zeitabschnitt im Glazial des oberen Weichselglazials. Es herrschte ein kälteres und feuchteres Klima vor. Im Liegenden des Hiatus (bei 311 cm) erstreckt sich ein 73 cm mächtiger Durchmischungsabschnitt. Oberhalb der Diskordanz bis zur Sedimentoberfläche liegen dann holozäne Sedimente vor. Das Klima im Holozän war wärmer und trockener.

Die durchgeführten Analysen machen deutlich, dass der Seespiegel in den letzten ca. 45.000 Jahren geschwankt hat. Durch die Sedimentation an dieser Lokation ist zu erkennen, dass der Seespiegel im Glazial höher lag als die subaquatische 30 m tiefe Seespiegelterrasse, was an den Seespiegelproxies (Ca, TIC, TOC/TN und d13C) zu erkennen ist. Danach sank der Seespiegel ab und Erosion setzte ein. Ab ~7.000 cal. BP (direkt oberhalb der Diskordanz) stieg der Seespiegel wieder an. Oberhalb von 5.400 cal. BP hat sich vermutlich der Seespiegel abermals abgesenkt und zu Erosion geführt.

Von den Ergebnissen des untersuchten Sedimentkerns lassen sich hydrologische Variationen ableiten. Detailliertere Rekonstruktionen sind anhand von Sedimentkernen aus dem Beckentiefsten der Laguna Potrok Aike in Vorbereitung.





Haberzettl, Torsten, 2006. Late Quaternary hydrological variability in southeastern Patagonia – 45,000 years of terrestrial evidence from Laguna Potrok Aike.

Der heute oberirdisch abflusslose Maarsee Laguna Potrok Aike liegt in der trockenen Steppe Patagoniens, über die nur wenige Informationen bezüglich der Paläoumweltbedingungen vorliegen. Im Rahmen des Projektes SALSA (Süd Argentinische Seesediment Archive und Modellierung) erlangte die Laguna Potrok Aike zentrale Bedeutung für die Paläoumweltrekonstruktion in diesem Gebiet. Mit einem kontinuierlichen, hoch auflösenden multiproxy Ansatz, der auf die mit der Radiokarbonmethode und durch Tephrochronologie präzise datierten Sedimente angewendet wurde, war es möglich, zwischen Hoch- und Niedrigwasserständen des Sees zu unterscheiden. Diese geben nicht nur Auskunft über den hydrologischen Zustand klimatischer Abschnitte wie der Kleinen Eiszeit oder der Mittelalterlichen Klimaanomalie, sondern spiegeln auch hydrologische Schwankungen während der letzten 16.000 Jahre und des Sauerstoffisotopenstadiums 3 wider. Es stellte sich heraus, dass der gesamte anorganische Kohlenstoff als Seespiegelindikator genutzt werden kann. Dieser Parameter wurde durch andere Proxies für Seespiegelschwankungen, minerogenen Eintrag und Redoxbedingungen, die ebenfalls zur Paläoumweltrekonstruktion geeignet sind, unterstützt. Die Proxies deuten auf einen hohen Seespiegel während des Sauerstoffisotopenstadiums 3 hin. Zumindest gleich hohe, wahrscheinlich jedoch höhere Seespiegel, die möglicher Weise einen oberirdischen spätglazialen Abfluss verursachten, werden zwischen 16.000 und 13.100 cal. BP angenommen. Von 13.100 bis 11.400 cal. BP sank der Seespiegel. Zeitgleich deutet der Datensatz erhöhte Temperaturen zwischen 12.800 und 11.400 cal. BP an. Eine Transgression, die um 11.400 cal. BP anfing, hielt bis 8.650 cal. BP an. Zu dieser Zeit fiel der Seespiegel auf seinen niedrigsten Stand. Nach einer erneuten Transgression, die vor 6.750 cal. BP begonnen haben muss, war der Seespiegel sehr variabel, unterbrochen durch einige feuchtere Phasen. Die letzte Feuchtphase, die der Kleinen Eiszeit zugeschrieben wird, war die ausgedehnteste seit den früh-holozänen Seespiegelhochständen vor 8.650 cal. BP. Die Daten beinhalten ebenfalls Informationen über die von den europäischen Eroberern verursachten Umweltveränderungen. Diese begannen in Patagonien viel früher als ursprünglich angenommen. Die offensichtlichsten Zeichen für die Anwesenheit der Europäer in Südpatagonien traten mit dem Beginn der Schaafzucht auf. Der Datensatz der Laguna Potrok Aike zeigt Übereinstimmungen mit dem des weiter nördlich gelegenen Lago Cardiels. Dies lässt auf eine gleichartige Reaktion auf die natürlichen Steuerungsfaktoren und auf eine eventuell zeitlich leicht versetzte, ähnliche Klimaentwicklung des Gebietes der heutigen patagonischen Steppe schließen. Im Gegensatz dazu weisen Vergleiche mit andinen Archiven gegensätzliche hydrologische Muster auf, was vermutlich auf die Tatsache zurückzuführen ist, dass eine Verstärkung der südhemisphärischen Westwinde eine Erhöhung des Niederschlages in den Anden und eine Verringerung desselben in der Steppe hervorruft. Dies beruht wahrscheinlich auf einer Blockade der niederschlagsbringenden östlichen Winde, die hauptverantwortlich für den Niederschlag an der Laguna Potrok Aike sind.





Korr, Christian, 2006. Paläoumweltrekonstruktion der letzten 1600 Jahre an Hand von Sedimenten aus dem Karsee Laguna las Vizcachas (Patagonien, Argentinien).

Seesedimente zählen zu den natürlichen Klimaarchiven, die es ermöglichen, vergangene Klima- und Umweltveränderungen zu rekonstruieren. Im Rahmen dieser Arbeit wurden zwei Sedimentkurzkerne aus dem ca. 19 m tiefen Karsee Laguna las Vizcachas in Patagonien (50,70°S, 71,97°W) hinsichtlich seines Potentials für Paläoumweltrekonstruktionen untersucht. Die Ergebnisse der geochemischen und geophysikalischen Analysen der Sedimentkerne charakterisieren deutliche Schwankungen während der letzten 1600 Jahre in der Produktivität und im klastischen Eintrag. Diese Schwankungen können als Resultat unterschiedlicher klimatischer Bedingungen interpretiert werden. Aber auch Verdünnungseffekte könnten eine Rolle spielen. Phasen hoher Produktivität und verstärkten klastischen Eintrags scheinen mit feuchten Perioden zusammen zu fallen. Direkte Vergleiche mit Studien weiterer Seen Patagoniens (Lago Argentino, Laguna Azul, Laguna Potrok Aike) bestätigen diese Hypothese. Die Proxies deuten auf eine feuchte Periode zwischen AD 400 und 800 hin, gefolgt von einer trockenen Phase von 800 bis AD 1100. Letztere könnte als Auswirkung der Mittelalterlichen Klimaanomalie gedeutet werden. Außerdem charakterisieren die Proxies eine feuchte Periode von AD 1550 bis AD 1850. Deutlich gegensätzliche Schwankungen in Produktivität und klastischem Eintrag sprechen besonders in diesem Zeitraum für zeitweise kältere und damit für die Primärproduktion im See ungünstigere Verhältnisse. Ab Mitte des 20. Jahrhunderts weisen die Proxies auf anthropogenen Einfluss hin. Die Schafbeweidung in der Region der Laguna las Vizcachas könnte diesen eutrophierenden Einfluss auf den See gehabt haben. Abschließend zeigt das Eisen/Mangan-Verhältnis besondere Redox-Bedingungen im Sediment an, welche mit zunehmender Sedimenttiefe die Bildung des paramagnetischen Minerals Vivianit zur Folge haben.





Enters, Dirk, 2006. Rekonstruktion von Landnutzungswandel und Bodenerosion der letzten 2000 Jahre basierend auf den laminierten Sedimenten des Frickenhauser Sees (Unterfranken).

Der Frickenhauser See liegt im Übergangsgebiet von der Rhön zum Grabfeldgau und entstand durch Subrosionsprozesse von Zechsteinsalzen entlang einer Störungszone. Der Erdfallsee ist das einzige natürliche Stillgewässer in Unterfranken und stellt aufgrund seiner Lage am Rande eines ackerbaulichen Gunstraumes ein hervorragendes natürliches Archiv für die Rekonstruktion der regionalen Landschafts- und Landnutzungsgeschichte dar. Der unterste Abschnitt des Sedimentkerns aus dem Frickenhauser See besteht aus einer kalkreichen, fein-laminierten, organo-klastischen Mudde und ist das Ergebnis natürlicher Sedimentationsprozesse. Der Hauptteil des insgesamt 1275 cm langen Sedimentprofils ist durch klastische Lamination aus Schluffen und Tonen mit zwischengeschalteten Turbidit- und Gerölllagen charakterisiert. Die natürlichen Ablagerungsprozesse werden in dieser Zeit durch eine ereignisgesteuerte Sedimentation minerogener Substanz ersetzt. Kontinuierliche ackerbauliche Tätigkeit verbunden mit der Rodung der bestehenden Wälder führte im Mittelalter und der frühen Neuzeit zu intensiven Erosionsprozessen und damit zum Eintrag von Bodenmaterial in den See. Anhand mikroskopischer Auswertung von Dünnschliffen konnte für die Lamination dieses Abschnitts jedoch kein Jahreszyklus identifiziert werden. Nach dem Rückgang des minerogenen Sedimenteintrages kam es zur Ablagerung jahreszeitlich geschichteter, sapropelischer Sedimente. Das Altersmodell für das Sedimentprofil basiert im Wesentlichen auf 17 AMS 14C Datierungen an terrestrischen Makroresten, Warvenzählungen sowie 137Cs- und 210Pb-Messungen für die jüngsten Sedimente. Durch Ausnutzung der stratigraphischen Information sowie durch die Einführung minimaler und maximaler Sedimentationsraten konnte der Fehlerbereich der 14C Datierungen beträchtlich reduziert werden. Das Altersmodell wurde unter Verwendung einer zweifach differenzierbaren und streng monotonen smoothing-spline Funktion berechnet. Dadurch wurden sprunghafte Wechsel in den berechneten Sedimentationsraten vermieden, was für die Bestimmung von Sedimentakkumulationsraten von großer Bedeutung ist. Die maximalen Sedimentationsraten übersteigen 20 mm/Jahr und spiegeln den Einfluss menschlicher Aktivitäten im Einzugsgebiet und deren Auswirkung auf das Sedimentationsgeschehen im Frickenhauser See wider. Der Landnutzungswandel im Einzugsgebiet des Frickenhauser Sees hatte auch maßgeblichen Einfluss auf die Prozesse innerhalb des Sees. Wechselnde C/N-Verhältnisse in der organischen Substanz belegen unterschiedliche Herkunftsquellen. So sind die niedrigen Werte im minerogenen Sedimentabschnitt ein Hinweis auf einen geringeren Anteil von Laub an der organischen Substanz zugunsten lakustrin gebildeter und pedogen eingebrachter Komponenten. Der Gehalt an anorganisch gebundenem Stickstoff (IN) ist für die organik-reichen Abschnitte wesentlich größer. Dies zeigt, dass IN nicht als an Tonpartikel gebundenes Ammonium in den See eingetragen wird, sondern frühdiagenetisch durch Ammonifikation unter sauerstoffarmen Verhältnissen gebildet wird. Hinweise auf anoxische Bedingungen geben auch stark negative Werte der d13Corg-Kurve innerhalb der organik-reichen Abschnitte, die auf Methanbildung im See zurückgeführt werden können. Die Multiproxy-Analysen der datierten Seesedimente erlauben eine detaillierte Rekonstruktion des Landnutzungswandels. Einsetzender Ackerbau, hier z.B. dokumentiert durch einen Rückgang der Baumpollensumme, ist positiv korreliert mit den rekonstruierten minerogenen Sedimentakkumulations- bzw. Erosionsraten. Die intensivste Bodenabtragungsphase fand zwischen dem 12. und 13. Jahrhundert statt. Historische Ereignisse wie z.B. die mittelalterliche Wüstungsperiode (1300-1450 AD) sowie der Dreißigjährige Krieg (1618-1648 AD) zeigen sich in den Pollenprofilen, verursachen aber nur geringe Rückgänge in den rekonstruierten Bodenabtragungsraten. Quantifizierte Erosionsraten weisen zudem auf ein lokal deutlich differenzierteres Bild historischer Bodenerosionsvorgänge im Vergleich mit für das Gebiet von Deutschland generalisierten Ergebnissen. Turbiditmächtigkeiten und -häufigkeiten weisen besonders auf zwei Phasen mit hoher Prozessaktivität hin, die zwischen 1150 und 1300 AD bzw. 1650 und 1850 AD erfolgten. Die Häufigkeit von Erosionsereignissen im Frickenhauser See korreliert mit der Häufigkeit von Hochwasserereignissen der Werra. Ein Vergleich mit anderen Klimaarchiven bzw. rekonstruierten Steuerungsfaktoren deutet jedoch darauf hin, dass eine direkte Rekonstruktion von Paläoklimainformationen nicht durchführbar ist. Bedingt durch den wechselnden menschlichen Einfluss sowie durch unterschiedliche, Erosionsvorgänge auslösende Prozesse (Starkregenereignisse, Schneeschmelze) ist die Verknüpfung einer Ereignislage mit einer bestimmten Klimavariable nicht möglich. Ingesamt stellen die Sedimente des Frickenhauser Sees ein gut datiertes und kontinuierliches Archiv historischen Landnutzungswandels und dessen Auswirkung auf das Seesystem dar, an dem eine quantitative Rekonstruktion von Bodenerosionsraten mit hoher zeitlicher Auflösung möglich ist.





Koch, Marcus, 2006. Morphologie, Genese und globale Verteilungsmuster quartärer Maarvulkane.

Maarvulkane entstehen nur, wenn sich eine bestimmte Faktorenkombination eingestellt hat. Findet eine schnelle Platznahme des Magmas bei geringen Wasser-Magma-Verhältnissen in einer Tiefe von 100-300 m in einem Förderdike statt, dann kommt es zu thermohydraulischen Prozessen, die eine Umwandlung von thermaler in kinetische Energie erlauben und zur Maargenese führen. Fällt einer dieser Faktoren aus der Gleichung heraus, stoppt die Genese und es können sich Schlackenkegel oder Lavaseen bilden. Maarvulkane sind nach Schlackenkegeln die zweithäufigste Vulkanform der Erde und kommen nahezu in allen Regionen der Erde vor. Dennoch ergeben sich hinsichtlich ihrer Verteilung eindeutige Unterschiede. Quantitativ dominieren quartäre Maarseen in Gebieten, die vom kontinentalen Intra-Platten-Vulkanismus beeinflusst und geprägt sind. Entlang der rezent aktiven Riftzonen stellen die Vulkanfelder Ugandas die Ausnahme in den Entstehungsgebieten dar. Nirgendwo sonst sind Maarseen so zahlreich vertreten wie in diesem Vulkan-gebiet des Ostafrikanischen Grabenbruchs. Der Grund dafür liegt vermutlich in der Morphologie der dem westlichen Teil des Grabenbruchs unterlagernden Krusten- und Lithosphärenstruktur (Schmincke, 2000). Die ermittelten Daten konnten die von Lorenz (2000) postulierten morphometrischen Eigen-schaften der Maarkrater (max. Durchmesser: 2000 m; max. Tiefe: 200) zum Großteil bestätigen. Die meisten hier untersuchten Maare sind bis zu 2000 m im Durchmesser und bis zu 160 m tief. Zwar existieren Ausnahmen, wie u. a. die großen Maarseen auf der Seward Halbinsel in Alaska, doch können diese Ausnahmen durch posteruptive Prozesse, wie Erosion und Anstieg des Grundwasserspiegels, erklärt werden.





Lüder, Britta, 2007. The potential of non-alpine lakes for quantitative palaeotemperature reconstructions based on subfossil chironomids: A comparative palaeolimnological study from southern Norway.

(Deutsche Zusammenfassung der englischsprachigen Dissertation:)

In dieser Arbeit wurden mittlere Julitemperaturen für das Holozän anhand von paläolimnologischen Untersuchungen der Sedimente zweier südnorwegischer Seen rekonstruiert. Die Rekonstruktionen basieren auf der Analyse von subfossilen Zuckmückenlarven (Chironomidenlarven). Ziel dieser Studie war herauszufinden, ob subfossile Chironomiden aus Seen, die unterhalb der heutigen Waldgrenze liegen, für eine quantitative Rekonstruktion von holozänen Temperaturschwankungen geeignet sind. Den Schwerpunkt bildeten die Fragen, ob die wasserchemischen und physikalischen Bedingungen in den untersuchten Seen während des Holozäns als stabil bezeichnet werden können, ob die Chironomiden sensibel auf holozäne Temperaturschwankungen reagieren und ob menschlicher Einfluss im Einzugsgebiet der Seen durch Veränderungen in den Chironomidengesellschaften aufgezeichnet wird. Untersucht wurden dafür die mittels Radiokarbonmethode datierten Sedimente des Reiarsdalsvatnet (245 m ü. NN, maximale Wassertiefe: 9.2 m, Mischwaldzone) und des Isbenttjønn (787 m ü. NN, maximale Wassertiefe: 9.4 m, nördliches Boreal). Die Multiproxy-Analysen der Sedimente umfassten die Bestimmung der subfossilen Chironomiden, Pollenanalysen und Analysen des Kohlen- und Stickstoffs, des Schwefels und des biogenen Siliziums. Die wichtigsten Ergebnisse der Rekonstruktion der Umweltgeschichten der Seen sind folgende: Durch die Pollenuntersuchungen konnte Waldbedeckung in der Umgebung des Reiarsdalsvatnet ab 9,900 cal. BP und am Isbenttjønn ab 9,300 cal. BP nachgewiesen werden. Die Ablagerung organischer Sedimente in den Seen begann im Präboreal bzw. Boreal. Die Böden im Einzugsgebiet des Reiarsdalsvatnet sind seit 9,600 cal. BP und im Einzugsgebiet des Isbenttjønn seit 8,600 cal. BP stabil. Nach 2,700 cal. BP konnten eine Auflichtung der Vegetation und erste Hinweise auf anthropogenen Einfluss im Einzugsgebiet des Reiarsdalsvatnet festgestellt werden. Im Profil des Isbenttjønn sind Anzeichen menschlicher Aktivität seit 3,300 cal. BP zu finden, jedoch wird eine Auflichtung der Vegetation erst nach 1,400 cal. BP deutlich. Obwohl es in den Sedimenten beider Seen Hinweise auf die lokale Präsenz des Menschen während des letzten Jahrtausends gibt, hat dieser die Vegetation in den Einzugsgebieten nur graduell verändert. Beide Seen sind während des Holozäns überwiegend oligotroph, nur in den jüngsten Sedimenten konnte eine geringe Zunahme der seeinternen Produktivität nachgewiesen werden. Im Hypolimnion des Reiarsdalsvatnet herrschten gute, in dem des Isbenttjønn gute bis mäßige Sauerstoffverhältnisse. Zusammenfassend wird festgestellt, dass beide Seen während des Holozäns nur geringen Veränderungen unterlagen und somit als stabil betrachtet werden können. In einem zweiten Schritt wurden die mittleren Julitemperaturen auf Grundlage der Chironomidenanalysen und mit Hilfe von Transferfunktionen rekonstruiert. Durch die Anwendung verschiedener Evaluierungsverfahren war es möglich, Phasen verlässlicher von Phasen weniger verlässlicher Temperaturrekonstruktionen zu unterscheiden. Um einen direkten Vergleich mit unabhängigen Daten zu ermöglichen, wurden zudem mittlere Julitemperaturen auf Grundlage der Pollenanalysen rekonstruiert. Die Ergebnisse dieses Vergleiches zeigen für beide Seen, dass die aus Chironomiden und die aus Pollen abgeleiteten mittleren Julitemperaturen während eines Großteils des unter¬suchten Zeitraumes sehr ähnlich verlaufen. Der wichtigste Zeitabschnitt, für den die chironomidenbasierten Temperaturrekonstruktionen durch die Evaluationsverfahren als „weniger verlässlich“ erkannt wurden, ist der der jüngsten 1,300 Jahre des Isbenttjønn. Dieses wurde höchst wahrscheinlich durch menschlichen Einfluss im Einzugsgebiet ausgelöst, obwohl der Einfluss sehr begrenzt blieb. Beim Vergleich zwischen beiden untersuchten Seen zeigen die chironomidenbasierten Temperaturrekonstruktionen sehr ähnliche Verläufe. Die Temperaturen steigen bis ca. 8,000 cal. BP an und erreichen ihr holozänes Temperaturmaximum zwischen 7,600 cal. BP und 7,200 cal. BP. Stabil hohe Temperaturen sind bis ca. 4,500 cal. BP zu beobachten. Ab 4,500 cal. BP nehmen die Temperaturen zunächst langsam ab und gehen ab ca. 1,500 cal. BP deutlich zurück. Dieser Verlauf spiegelt die bekannte Temperaturentwicklung in Skandinavien wieder, was durch den Vergleich mit Datensätzen von norwegischen Gletscherschwankungen, mit rekonstruierten Nettoniederschlägen in Südschweden und mit rekonstruierten grönländischen Sommertemperaturen nachgewiesen wurde. Mit dieser Arbeit konnte gezeigt werden, dass subfossile Chironomiden aus den untersuchten Seen sensibel auf Schwankungen der holozänen Sommertemperaturen reagieren. Die Ergebnisse weisen auf die große Bedeutung einer umsichtigen Wahl der zu untersuchenden Seen hin, und darauf, dass ein umfassendes Wissen über das System von See und Einzugsgebiet und eine Evaluation der Temperaturrekonstruktionen notwendig ist, um verlässliche Ergebnisse zu erhalten. Zusammenfassend konnte gezeigt werden, dass Sedimente aus Seen, welche unter der heutigen Waldgrenze liegen, ein großes Potential für die chironomidenbasierte Rekonstruktionen holozäner Temperaturschwankungen bilden.

Gesamte Dissertation siehe hier





Blanke, Lasse, 2007. Jahreszeitlich geschichtete Sedimente des Lazduny Sees (Masuren, Polen) - ein Archiv für hochauflösende Umwelt- und Klimarekonstruktionen seit 500 n. Chr.

Nachdem die beiden Sedimentkerne LUZ 05/1 und LUZ 06/1 mit den nicht destruktiven Analysemethoden XRF und magnetische Suszeptibilität untersucht wurden, fand die Ermittlung der geochemischen und geophysikalischen Parameter statt. Neben diesen Analysen wurden Dünnschliffe hergestellt, um die Feinstruktur des geschichteten Sediments des Lazduny Sees unter dem Mikroskop zu untersuchen. Die Dünnschliffanalyse ergab, dass es sich bei den geschichteten Sedimenten um jahreszeitliche Ablagerungen, so genannte ‚Warven’ handelt. Mithilfe der Warvenanalyse und der geochemischen und geophysikalischen Parameter fand eine Korrelation der beiden Sedimentkerne statt. Es entstand ein Kompositprofil mit einer Länge von 139 cm. Durch die computergestützte Messung der Warvendicke erfolgte die Bestimmung der Sedimentations- und spezifischen Sedimentakkumulationsraten. Die Zählung der Warven ermöglichte die Erstellung einer Warvenchronologie. Mithilfe zusätzlicher radiometrischer Datierungen (AMS 14C, 210Pb) wurde die Warvenchronologie verifiziert und ein Alterstiefenmodell erstellt. Das Alters-Tiefenmodell zeigt, dass die Sedimente einen Zeitraum von etwa 1500 Jahren umfassen. Die untersuchten geochemischen und geophysikalischen Parameter dienen als Indikatoren der Produktivität, Redoxbedingungen und minerogene Einträge. Über den gesamten Untersuchungszeitraum wurden geringe minerogene Einträge festgestellt. Die Produktivität und Redoxbedingungen wiesen hingegen größere Schwankungen auf. Veränderungen der Produktivität und Redoxbedingungen sind von äußeren Klima- und Umwelteinflüssen gesteuert. Aufgrund dessen konnte eine Rekonstruktion der Klima- und Umweltbedingungen seit 500 AD erfolgen. Sowohl das Mittelalterliche Klimaoptimum und die Kleine Eiszeit als auch anthropogene Einflüsse im ausgehenden 20. Jh. ließen sich für Nordostpolen rekonstruieren.





Schuchert, Anne, 2007. Zielflächenidentifikation für Grundwasserschutzmaßnahmen. Eine GIS-Datenanalyse im Wasserschutzgebiet Großenkneten, Landkreis Oldenburg.

Stickstoffeinträge aus der Landwirtschaft bilden eine mögliche Gefahrenquelle für das Grundwasser. Sie werden als diffuse Einträge in das Grundwasser bezeichnet und stehen im Fokus dieser Arbeit. Das untersuchte Gebiet umfasst das ca. 6500 ha große und überwiegend agrarisch geprägte Wasserschutzgebiet Großenkneten im Landkreis Oldenburg. Stickstoffeinträge erfolgen nicht gleichmäßig über die gesamten land- und forstwirtschaftlich genutzten Flächen, sondern sind in Abhängigkeit von der Bewirtschaftung und den Standortverhältnissen räumlich stark variabel. Ein zielgerichteter und effektiver Grundwasserschutz hängt daher entscheidend von standort- und nutzungsspezifischen Eigenschaften ab und kann nur in Einklang mit der Landbewirtschaftung erfolgen. Die hier durchgeführte Zielflächenidentifikation erlaubt auf Grundlage von ausgewählten Standort- und Bewirtschaftungsfaktoren eine räumliche Differenzierung von Flächen mit unterschiedlicher Priorität für den Grundwasserschutz. Die Zielflächen mit unterschiedlicher Priorität für den Grundwasserschutz sind jedoch nicht statisch. Kleinräumig nicht berücksichtigte Veränderungen können in der Praxis zu Verschiebungen der Flächenprioritäten führen. Das Ergebnis dieser Untersuchung, die Zielflächen für Grundwasserschutzmaßnahmen nach Prioritäten differenziert, können als Grundlage für eine erfolgsorientierte Wasserschutzberatung und die Vergabe von finanziellen Mitteln für Grundwasserschutzmaßnahmen (so genannte freiwillige Vereinbarungen) dienen. Die hier angewandte Methodik hat den Vorzug, dass überwiegend vorhandene Daten des Wasserversorgers genutzt wurden. Lediglich Informationen zur aktuellen Flächennutzung wurden im Rahmen dieser Arbeit durch Kartierung erhoben. Eine Prioritätensetzung und Zielflächenidentifikation anhand vorhandener Daten ist kostengünstig und zeiteffizient. Mithilfe eines Geographischen Informationssystems wurden grundwasserschutzrelevante Standortdaten zur Grundwasserneubildung und Hydrologie sowie zum Bodenwasserhaushalt (Austauschhäufigkeit und Verlagerungsgeschwindigkeit) und zum Denitrifikationspotenzial der Böden aufgearbeitet. Hinsichtlich potenzieller Grundwassergefährdung durch Bewirtschaftung erfolgten Auswertungen der Flächennutzungsdaten sowie der herbstlichen Rest-Mineralstickstoffgehalte im Boden und der berechneten, potenziellen Nitratgehalte im Sickerwasser. Die Auswertung ergab eine sehr hohe Priorität für die intensiv genutzten Ackerflächen auf gut durchlässigen Substraten. Diese sind meist auf den grundwasserfernen Geeststandorten angesiedelt und zeichnen sich neben einer hohen Verlagerungsgeschwindigkeit (>20 dm a-1) und Austauschhäufigkeit (>200 %) durch geringe Denitrifikationspotenziale (<20 kg N ha-1 a-1) aus. Sehr hohe Relevanz für den Grundwasserschutz haben vor allem Ackerflächen mit Fruchtarten, die höhere Stickstoffzufuhren erhalten bzw. geringe Stickstoffeffizienz aufweisen. Potenziell geringe Grundwasserbelastung ist bei Flächen mit natürlich hohem Schutzpotenzial und extensiver Bewirtschaftungsform zu erwarten. Dazu zählen vor allem Grünlandstandorte und ökologisch bewirtschaftete Ackerflächen mit hoher Stickstoffeffizienz. Das hohe Denitrifikationspotenzial (60-150 kg N ha-1 a-1) auf Flächen mit niedrigen Grundwasserflurabständen, wie es insbesondere auf Niedermoorstandorten der Fall ist, wirkt sich ebenfalls positiv auf den Stickstoffgehalt im Boden und Grundwasser aus. Aus hydro- und lithostratigrafischen Analysen wurden Flächen mit einer relativ mächtigen, grundwasserschützenden Geschiebelehmdeckschicht (>6 m) und damit längerer Wirkungsdauer von Abbau- und Eliminationsprozessen während der Grundwasserneubildung gekennzeichnet. Da sich die Wasserschutzberatung und die Vergabe von finanziell geförderten landwirtschaftlichen Wasserschutzmaßnahmen nicht auf Wald-, Aufforstungs- und Gehölzflächen beziehen, wurden diese Flächen als nicht prioritär ausgewiesen.





Meyer, Inka, 2007. Die "Kleine Eiszeit" in Südpatagonien - Ein Vergleich von paläoklimatischen Rekonstruktionen mit den Ergebnissen eines gekoppelten Atmosphären-Ozean-Modells.

In dieser Arbeit werden die Ergebnisse einer transienten Klimasimulierung der letzten 1000 Jahre für Argentinien vorgestellt. Das für die Modellrechnung gewählte Untersuchungsgebiet liegt in der trockenen Steppe Südpatagoniens zwischen 90-40°W und 35-70°S. Berechnet wurden der Luftdruck und die Niederschläge mit dem gekoppelten Atmosphären-Ozean Zirkulationsmodell ECHO-G. Im Modell wurden drei historische Perioden, die Mittelalterliche Warmperiode (MWP, 1150-1300 AD), die Kleine Eiszeit (LIA, 1550-1800 AD) und das Maunder Minimum (MMI, 1645-1715 AD) ausgewählt. Um die Verbindung zwischen der atmosphärischen Zirkulation und dem Niederschlag im südlichen Südpatagonien zu testen, wurde die Methode des statistischen Downscalings angewendet. Im Folgenden wurden die Ergebnisse der Modellrechnung mit verschiedenen Proxyuntersuchungen aus dem Untersuchungsgebiet verglichen.

Die Ergebnisse zeigen, dass es während der LIA in Südpatagonien kühler und feuchter war als im langjährigen Mittel. Umgekehrt zeigt sich die MWP als trockene und warme Phase. Zurückzuführen sind diese Schwankungen auf die Verschiebung der Westwinde durch die geringere oder verstärkte Ausbreitung der antarktischen Eismassen. Während der MWP verlagerte sich die Westwindzone auf Grund der geringeren antarktischen Eismassen weiter nach Süden. Patagonien gelangte somit verstärkt in den Einflussbereich der starken Westwinde. Während der LIA nahmen die Eismassen der Antarktis zu, woraufhin sich der Westwindgürtel in Richtung Norden verlagerte. Der Vergleich zwischen Ergebnissen verschiedener Proxyuntersuchungen der Nord- und Südhemisphäre zeigt deutliche Ähnlichkeiten im Verlauf, was ein globales Vorkommen der LIA vermuten lässt.





Fehling, Astrid, 2007. Die Öffnung von Sommerdeichen als Kompensationsmaßnahme für die vierte nördliche Erweiterung des Container-Terminals "CT 4“ in Bremerhaven – Chancen und Risiken für Natur- und Küstenschutz in Zeiten des Klimawandels.

Als Ausgleichs- und Ersatzmaßnahme für den Bau der vierten nördlichen Erweiterung des Container-Terminals (CT 4) in Bremerhaven werden an der Wurster Küste in Niedersachsen Sommerdeiche geöffnet. Dies geschieht mit dem Ziel, den Tideeinfluss im Deichvorland wieder herzustellen und die Entwicklung einer für den Übergangsbereich zwischen Meer und Land typischen Vegetationsabfolge von Watt zur Salzwiese zu ermöglichen. Die Renaturierung der bisher anthropogen geprägten Flächen trägt dazu bei, die Deichvorländer und die seltenen tidebeeinflussten Lebensräume entlang der Küste zu schützen und zu erhalten. Durch die Öffnung der Sommerdeiche wird eine Ausbreitung der Salzwiesen landwärts ermöglicht und zugleich die natürliche Anpassungskapazität der Vorländer gefördert. Die Umsetzung solcher Maßnahmen führt häufig zu Kontroversen mit beteiligten Interessenvertretern. Zielkonflikte bestehen insbesondere zwischen Natur- und Küstenschutz. Eine Beeinträchtigung der Deichsicherheit ist mit den Maßnahmen an der Wurster Küste nicht verbunden. Am Beispiel dieser Kompensationsmaßnahmen kann gezeigt werden, dass die Herstellung der Tidedynamik im Polder im Einvernehmen mit dem Küstenschutz realisiert werden kann und dass der Erhalt des Vorlandes von beiderseitigem Interesse ist. Eine Veränderung des Klimas, die sich regional für die norddeutsche Küste mit einem Anstieg des Meeresspiegels und möglicherweise mit einer Zunahme von Stürmen und Sturmfluten auswirken wird, sollte bei dem zukünftigen Umgang mit Deichvorländern berücksichtigt werden, auch um einer Intensivierung der schon bestehenden Konflikte entgegenzuwirken.





Molski, Viktor, 2008. Umwelt- und Klimarekonstruktionen an laminierten Sedimenten des Sees Kramsko Male in Kaschubien (Nordpolen) – eine geochemische Pilotstudie.

Im Herbst 2006 wurden aus dem See Kramsko Male drei Sedimentkerne entnommen. An einem dieser Schwerelotkerne (KRM06/1) wurden sedimentologische Analysen durchgeführt. Sie umfassen physikalische und geochemische Parameter sowie eine radiometrische Altersbestimmung mit dem Isotop 210Pb. Weiterhin wurden Großdünnschliffe hergestellt, um die Feinstrukturen mikrostratigraphisch zu analysieren. Die Lithologie ergab folgende Sedimentstruktur: unter einer hangenden Rutschmasse folgen ein oberer laminierter sowie ein schwarzer homogener Horizont. Im Liegenden treten erneut laminierte Abschnitte auf. Die Analyse der Dünnschliffe ergab, dass die laminierten Bereiche aus Jahresschichten bestehen. In Kombination der radiometrischen Datierung mit über Jahresschichtungen bestimmten Sedimentationsraten wurde eine Chronologie erarbeitet. Die so datierten Proxy-Parameter der Produktivität wurden mit der Geschichte der Landnutzung und dem Einsatz von Kunstdünger verglichen. Dieser Vergleich zeigte, dass mit der Intensivierung der Landnutzung und der Einführung von Kalidünger in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts auch die Produktivität zunahm und eine Eutrophierung des Kramsko Male einleitete. Die Produktivität erreichte in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ihr Maximum und bewirkte im Profundal des Sees reduzierende Bedingungen, die zur Rücklösung der Kalzite und zur Bildung von Eisensulfiden führte. Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges brach die Produktivität ein. Erst in den 1990er Jahren nahm sie wieder zu. Vergleichbare sedimentologische Erscheinungen im Zusammenhang mit Eutrophierungsprozessen wurden auch in anderen europäischen Seen nachgewiesen.





Scharf, Frauke, 2008. Der Grundwasseraustritt im Sahlenburger Watt bei Cuxhaven: Datenerhebung und GIS-basierte Untersuchung der Ursachen und Charakteristiken

In Küstengewässern ist der Austritt von Süßwasser aus dem Meeresboden (Submarine Groundwater Discharge, SGD) seit langer Zeit ein bekanntes Phänomen. Dieser Prozess ist in den letzten Jahren jedoch als eine mögliche Quelle für den Eintrag von Nähr- und Schadstoffen in den Küstenbereich erkannt worden. Er stellt damit einen Einflussfaktor für marine Ökosysteme dar, insbesondere für das empfindliche ökologische Gleichgewicht des Wattenmeeres und wurde deshalb Ziel wissenschaftlicher Untersuchungen und anwendungsbezogener Arbeiten. Im Rahmen dieser Diplomarbeit wurde der Grundwasseraustritt im Sahlenburger Watt untersucht. Das Arbeitsgebiet liegt etwa 8 km westlich von Cuxhaven, nahe dem Ort Sahlenburg. Anhand von Leitfähigkeitsmessungen wurde aus Überfliegungsdaten der BGR eine Süßwasserlinse im Untergrund identifiziert. In einer Tiefe von 5 m erreicht diese etwa Nord-Süd streichende Süßwasserlinse im Wattbereich eine Ausdehnung von ca. 2x5 km längs der Küste. An der Oberfläche befinden sich in diesem Bereich an einigen Stellen Süßwasserquellen (sog. ’sand boils’) an denen Wasser punktuell ausströmt. In dieser Diplomarbeit wird verschiedenen Fragen bezüglich der Ursachen und Verbreitung dieser Süßwasserquellen und der Lokalisierung und Charakterisierung des dispers/diffusen Ausstromes oberhalb der Süßwasserlinse nachgegangen. Am Ende steht der Versuch einer Bilanzierung des Grundwasserausstromes. Zur Beantwortung dieser Fragen sind umfangreiche Probenahmen und Kartierungen im Watt durchgeführt worden. Die gewonnenen Daten, wie z. B. der Chloridgehalt des oberflächennahen Porenwassers im Sediment, die Verteilung der ’sand boils’, die Charakterisierung der Sedimente im Untergrund und die Erfassung von Siedlungsflächen des Wattwurms (Arenicola marina), wurden in einer Geodatenbank integriert und mit Hilfe eines Geo-Informationssystems (GIS) ausgewertet. Informationsebenen wurden im GIS neu klassifiziert und verschnitten, um schließlich Flächen ähnlicher Eigenschaften auszuweisen. Des Weiteren wurden Ausstromraten einzelner Quellen anhand von Kammermessungen bestimmt. Die Modellierung des dispers/diffusen Grundwasserausstroms erfolgte anhand von Konzentrationsprofilen des inerten Tracers Chlorid. Dazu wurden mit Hilfe so genannter Rhizonenstangen aus verschiedenen Tiefen des Sediments Porenwasserproben entnommen. Diese Arbeit trägt insgesamt zum besseren Verständnis des SGD im Sahlenburger Wattenmeer als Teil des Grundwasserkreislaufes dieser Küstenregion bei. Prozesse, die mit dem küstennahen Grundwasseraustritt in Verbindung stehen, konnten verdeutlicht und ein komplexes Bild der vorherrschenden Verhältnisse aufgezeigt werden.





Fröhlich, Nicole, 2008. Der Klimawandel und seine Auswirkungen auf Norddeutschland mit Unterrichtsentwurf.

Das Klima hat sich im Laufe der Erdgeschichte häufig geändert. Ursachen dafür sind u. a. natürliche Prozesse wie Vulkanausbrüche und Änderungen der Erbahnparameter. Die Klimaerwärmung, die seit Anfang der Industrialisierung global zu messen ist, ist nicht auf diese natürlichen Ursachen zurückzuführen, sondern auf die Erhöhung der Treibhausgase in der Atmosphäre durch den Menschen. Diese anthropogen verursachte Klimaerwärmung ist in Deutschland überdurchschnittlich stark ausgeprägt. Während die globale Erwärmung in den letzten 100 Jahren 0,7°C betrug, erwärmte sich das Klima in Deutschland in diesem Zeitraum um 0,9 bis 1,4°C. Im Untersuchungsgebiet hat eine Erwärmung zwischen 0,4°C in Mecklenburg-Vorpommern und 1,1°C in Hamburg stattgefunden. Wie auch im gesamten Bundesgebiet fand die Erwärmung der letzten 100 Jahre nicht in allen Jahreszeiten gleich stark statt. Am stärksten erwärmten sich der Herbst und Sommer, wobei sich die Erwärmung in den letzten Jahren hauptsächlich auf den Winter konzentrierte. Im Zusammenhang mit einer erhöhten Jahresdurchschnittstemperatur steht eine Erhöhung der Jahresniederschläge. Diese betrug in den letzten 100 Jahren 9%, wobei die Erhöhung in den letzten Jahren stärker war. Genau wie bei den Temperaturen findet auch diese Erhöhung nicht gleichmäßig auf alle Jahreszeiten verteilt statt. Bei den Niederschlägen hat eine Umverteilung der Niederschläge vom Sommer in den Winter stattgefunden. Im Osten des Untersuchungsgebiets ist keine nennenswerte Zunahme der Niederschläge zu erkennen. Dies führt in diesen Gebieten, die ohnehin geringere Niederschläge als der Westen zu verzeichnen haben, zu Problemen im natürlichen Wasserhaushalt. Bei den Extremereignissen ist der Klimawandel ebenfalls zu spüren. So haben sich die Wahrscheinlichkeiten für Hitzeextreme, Stürme, Sturmfluten, Starkniederschlägen und Hochwasser erhöht. Auch der globale Meeresspiegel hat sich seit Beginn der Industrialisierung auf Grund einer erhöhten Meerwassertemperatur und der damit verbundenen thermischen Ausdehnung des Wassers sowie erhöhten Süßwassereinträgen durch vermehrte Niederschläge und das Abschmelzen der Gletscher um ca. 20 cm erhöht. In Zukunft wird sich die Klimaerwärmung in Abhängigkeit von den globalen Treibhausgasemissionen weiter fortsetzten. So wird mit einer Temperaturerhöhung im Untersuchungsgebiet von bis zu 3,5°C im Jahre 2100 gegenüber dem Referenzzeitraum von 1961-1990 gerechnet. Die Niederschlagsmenge wird sich bis 2100 nicht weiter nennenswert erhöhen, allerdings wird sich der Trend zur Umverteilung vom Sommer in den Winter fortsetzen. Auf Grund der sich erhöhenden Temperatur wird sich das Meerwasser weiter ausdehnen und der Süßwassereintrag wird sich durch das voranschreitende Abschmelzen der Gletscher erhöhen. Dies könnte zu einem globalen Anstieg des Meeresspiegels von 40 cm bis 2100 führen, der in Norddeutschland durch das isostatische Absinken des Festlandes als Nachwirkung der letzten Eiszeit noch 15 cm stärker ausfallen könnte. Hinzu kommt, dass der Tidenhub durch den Reibungsverlust zunehmen wird. Des Weiteren wird durch die Erhöhung der Wahrscheinlichkeiten für Extremereignisse die Gefahr von windbedingten Sturmfluten größer. Die bereits stattgefundenen und auch die zukünftigen Klimaänderungen haben Auswirkungen in ökonomischer, ökologischer, politischer und sozialer Hinsicht. Im Untersuchungsgebiet wurden die Auswirkungen auf die Küstenregionen, die Flussmündungen am Beispiel der Weser bei Bremen und auf die Landwirtschaft untersucht. Während der Meersspiegelanstieg und die Häufung von Extremereignissen problematisch sein werden, könnten für die Landwirtschaft auch Vorteile in Form von höheren Erträgen durch die Klimaerwärmung entstehen. Da der Klimawandel und seine Auswirkungen ein wichtiges, aktuelles und auch für die Zukunft bedeutendes Thema ist, ist es sinnvoll, es für den Unterricht didaktisch aufzubereiten. In Bremer Gymnasien eignet sich dieses Thema für die 10. Jahrgangsstufe im Themenbereich „Globale Fragen: Ökonomie versus Ökologie? Umweltproblematik, Belastung der Atmosphäre (vgl. Lehrplan). In der oben vorgestellten Unterrichtseinheit „Klimawandel – Entstehung, Auswirkungen und Gegenmaßnahmen“ wird eine Unterrichtssequenz zum Thema „Klimawandel und seine Auswirkungen auf Norddeutschland“ vorgestellt. In dieser ermitteln die Schülerinnen und Schüler wie sich der Klimawandel auf ihre Heimatregion ausgewirkt hat und welche Auswirkungen zukünftig auftreten könnten. Dieser Lernprozess orientiert sich am didaktischen Konzept des forschenden Lernens, dessen Grundprinzip das Vermitteln von Methoden ist, die in der Fachwissenschaft verwendet werden. Die Methoden, die in der Unterrichtseinheit verwendet werden sind das Auswerten von Tabellen mit Excel, das Interpretieren von Bildern und Diagrammen und der Umgang mit geographischen Informationssystemen. In Bezug auf den fachlich erläuterten Klimawandel und seine Auswirkung auf Norddeutschland wird nur ein Teil dessen in der Unterrichtseinheit behandelt, denn im Vordergrund der Unterrichtseinheit steht die Kompetenz des eigenständigen Forschens. Die Schülerinnen und Schüler erfahren anhand von Temperatur- und Niederschlagsdaten, die sie mit Hilfe von Excel auswerten, exemplarisch, wie der Klimawandel in Norddeutschland stattgefunden hat. Bei den Zukunftsszenarien und Auswirkungen des Klimawandels wird lediglich auf den Meeresspiegelanstieg eingegangen. Auch in Hinblick auf die verwendeten Methoden wird in dem Unterrichtsentwurf kein Anspruch auf Vollständigkeit erhoben, denn obwohl die verwendeten Methoden auch in der Fachwissenschaft verwendet werden, lernen die Schülerinnen und Schüler diese in einer vereinfachten Form kennen.





Bluszcz, Philipp, 2008. Process studies and annually laminated sediments as instruments for high resolution palaeoclimatic and palaeoenvironmental reconstruction at Sacrower See (northeastern Germany).

(Deutsche Zusammenfassung der englischsprachigen Dissertation:)

Die vorliegende Arbeit ist eine Kombination aus einer zweijährigen Sedimentfallenstudie und der Untersuchung eines jahreszeitlich geschichteten Sedimentkerns aus dem Sacrower See in Nordostdeutschland. Der Sacrower See ist ein dimiktischer Hartwassersee in dem Calciumcarbonat biochemisch ausgefällt wird. Geochemische Daten der Sedimentfallenproben wurden mit limnologischen und meteorologischen Parametern verglichen, um die Auswirkungen auf die Calciumcarbonatfällung und Produktion von organischem Material zu quantifizieren. Ziel der Studie ist eine saisonale Charakterisierung der Sedimentation im Sacrower See, um das jahreszeitlich geschichtete Klimaarchiv besser zu interpretieren und insbesondere Einflüsse von Calciumcarbonatauflösung und Resuspension, als auch von Globalstrahlung und thermischer Schichtung auf die seeinterne Partikeldynamik zu verstehen. Stabile Isotope des Sauerstoffs und des Kohlenstoffs sowie Elementverhältnisse von Magnesium zu Calcium und Strontium zu Calcium der biochemisch ausgefällten Carbonate wurden mit allen Einflussgrößen verglichen um ihren Nutzen als Proxies für Paläoklima- und Paläoumweltrekonstruktionen zu evaluieren. Die Ergebnisse der Sedimentfallenstudie wurden auf einen Sediment-Gefrierkern übertragen der die Zeitspanne der Jahre 2003 bis 1869 umfasst. Der Vergleich von potentiellen Proxies mit historischen Daten der meteorologischen Station in Potsdam und den hochaufgelösten Daten des Sediment-Monitorings ermöglichte es, Veränderungen der atmosphärischen Zirkulation über Westeuropa während der jüngeren Vergangenheit und deren Archivierung im Sediment zu verfolgen. Die Calciumcarbonatausfällung im Sacrower See findet hautsächlich zwischen April und Juli statt. Dem gehen kleinere Carbonatmengen voraus, die durch Resuspension im Herbst und Winter verursacht werden. Im Spätsommer folgen erneut kleinere Maxima, die durch Blüten der kalkschaligen Grünalge Phacotus lenticularis hervorgerufen werden. Während einiger Sedimentfallenintervalle im Sommer wurden bis zu 100% des Carbonats im Tiefenwasser aufgelöst. Es ist anzunehmen, dass die Globalstrahlung und der Beginn sowie die Dauer der thermischen Schichtung die Primärproduktion im See und somit auch den Zeitpunkt und die Menge der Carbonatausfällung beeinflussen. Das frühere Einsetzen der Schichtung im Jahr 2005 führte zu höheren Sedimentationsraten und positiveren Kohlenstoff- und Sauerstoffisotopenverhältnissen in den Carbonaten im Vergleich zum Jahr 2004. Element- und Isotopenverhältnisse der Calcite spiegeln nicht direkt Veränderungen der Wasser- und Lufttemperaturen wieder. Im Frühling und im Sommer verursachen hohe Gehalte an gelöstem Phosphat eutrophe Verhältnisse und führen zur Carbonatfällung im isotopischen Ungleichgewicht. Die gemessenen Werte sind im Vergleich zu den berechneten Gleichgewichtswerten zwischen 2 und 10‰ an 18O abgereichert. Resuspension und die partielle Auflösung der Carbonate in der Wassersäule beeinflussen die Isotopenverhältnisse im Sommer und Herbst und führen zu leicht positiveren d18O- und d13C-Werten im Tiefenwasser. Ein weiterer Grund für die Divergenz zwischen den gemessenen und theoretischen d18O-Werten im Sommer ist das Auftreten von Phacotus lenticularis in der Carbonatfraktion, woraus negativere d18O-Werten resultieren. Durch die hochauflösende Beprobung der Jahresschichten (Warven) des Sediment-Gefrierkerns SAC 03-3 und der mikroskopischen Analyse der Dünnschliffe konnte eine Chronologie für die letzten 133 Jahre entwickelt werden. Seit dem Ende der 1960er Jahre bis heute sind die d18O- und d13C-Werte in den hellen Frühling/Sommer-Lagen positiver als in den dunklen Herbst/Winter-Lagen. Die Elementverhältnisse sind in diesem Zeitraum ebenfalls in den hellen Lagen erhöht. Insgesamt ist eine positive Verschiebung der d18O-Werte von einem mittleren Wert von -8.16‰ (1869-1959 AD) zu einem mittleren Wert von -7.23‰ (1960-2003 AD) zu beobachten. Höhere Carbonatakkumulationsraten in den hellen Lagen weisen daraufhin, dass mehr Carbonat im Frühling ausgefällt wurde. Diese zeitliche Verschiebung der Calcitausfällung während dieser vier Dekaden vom späten Frühling und Sommer zum Frühjahr wird durch Änderungen der Dauer und des Beginns der thermischen Schichtung verursacht. Neben der Eutrophierung konnte gezeigt werden, dass Veränderungen der atmosphärischen Zirkulation über Europa, gekennzeichnet durch den Index der Nordatlantischen Oszillation (NAO-Index), den Beginn und die Dauer der thermischen Schichtung im Sacrower See beeinflusst und sich somit auch auf die Veränderungen der Isotopenverhältnisse seit den 1960er Jahren ausgewirkt haben. Warme und feuchte Winter, die in Beziehung zu einem positiven NAO-Index stehen, haben dabei zum früheren Einsetzen und einer längeren Dauer der thermischen Schichtung geführt, was sich in positiveren d18O- und d13C-Werten widerspiegelt.





Czymzik, Markus, 2008. Zwei warvierte Sedimentkerne des Ammersees der letzten 450 Jahre als Klima- und Umweltarchive.

An zwei warvierten Sedimentprofilen aus dem Ammersee, einem Hartwassersee im nördlichen Alpenvorland, wurden mikrofazielle Untersuchungen an Dünnschliffen und hochauflösende µ-XRF Analysen durchgeführt. Zur weiteren Analytik gehören XRD, ICP-MS, REM, magnetische Suszeptibilität und die Bestimmungen des Wassergehalts. Eine unabhängige Warvenchronologie wurde für den Zeitraum von AD 1545 bis 1999 erstellt. Alle Untersuchungen wurden in Zusammenarbeit mit der Sektion 3.3 „Klimadynamik und Sedimente“ am Deutschen GeoForschungsZentrum Potsdam (GFZ) durchgeführt. Mikrofazielle Untersuchungen wiesen zwei Warvenfazies und drei Mikrofazies detritischer Lagen aus. Fast das gesamte Sediment weist eine Warvenfazies mit jährlichen Lagenpaaren aus einer helleren Sommerkalzitlage und einer dunkleren Sublage im Herbst auf. Letztere besteht aus einer Kalzitmatrix mit Intraklasten endogenen Kalzits und Litoralmaterial. Die Eutrophierung des Ammersees zwischen Anfang der 1950er und Anfang der 1980er Jahre ist durch einen Wechsel der Warvenfazies erkennbar. Während dieser Periode zeigt sich eine Warvenfazies mit jährlich sechs Lagen. Charakteristisch sind zwei Kalzitlagen mit einer jeweils vorangestellten Diatomeenlage, erhöhte Warvenmächigkeiten und Wassergehalte sowie eine negative Exkursion der magnetischen Suszeptibilität. Für die Mikrofazies der detritischen Lagen sind Hochwässer als Ursache wahrscheinlich. Es wird daher im Folgenden von Hochwasserlagen anstatt von detritischen Lagen gesprochen. Die warvierte Natur dieses Archivs ermöglicht eine jahreszeitliche Einordnung der Hochwasserlagen, deren jahreszeitliche Verteilung im Zeitraum von AD 1926 bis 1999 mit Ammerabflussdaten und lokalen Niederschlagsdaten übereinstimmt. Ein proximal-distales Muster der Hochwasserlagen zur Ammermündung deutet auf die Ammer als Eintragsquelle hin. Ergebnisse der µ-XRF Messungen zeigen Übereinstimmungen mit den Ergebnissen der Mikrofaziesanalyse bis in den Submillimeterbereich hinein. Exkursionen der Ca-Intensitäten zeigen Kalzitlagen. Exkursionen der Ti-, Fe-, K-, Si- und Al-Intensitäten weisen auf dunklere Sublagen und, mit größerer Amplitude, auf detritische Lagen hin. Häufigkeiten von Hochwasserlagen korrelieren in der „Kleinen Eiszeit“ mit Variationen der solaren Aktivität. Hierbei wurde eine Zunahme von Hochwasserlagen in Phasen niedriger solarer Aktivität und eine Abnahme von Hochwasserlagen in Phasen hoher solarer Aktivität nachgewiesen. Jahreszeitlich aufgelöst zeigt sich eine deutliche Zunahme von Hochwasserlagen im Sommer, sowie eine leichte Zunahme bei Frühlingshochwasserlagen. Die Zunahme von Hochwasserlagen im Sommer kann auf ein verstärktes Auftreten zyklonaler Westwindlagen im Zusammenhang mit einer nicht stationären atmosphärischen Zirkulation zurückgeführt werden. Die Zunahme von Hochwasserlagen im Frühling deutet auf eine verstärkte Schneeschmelze aufgrund von erhöhter und verlängerter winterlicher Schneeakkumulation hin. Nach der „Kleinen Eiszeit“ (ab AD 1900) entkoppelt sich der Zusammenhang zwischen Häufigkeiten von Hochwasserlagen und solarer Aktivität. Dies könnte durch verstärkte anthropogene Aktivität im Einzugsgebiet und dadurch veränderte Erosionsbedingungen erklärt werden. Besonders deutlich wird der Einfluss anthropogener Aktivität auf die Sedimentation durch stark erhöhte detritische Sedimenteinträge von 1920 bis 1924 im Zuge der Ammerbegradigung.





Dahlendorf, Tobias, 2008. Natural Disaster: Tropische Wirbelstürme, dargestellt am Beispiel des Hurrikans "Katrina" und seinen Auswirkungen auf die Stadt New Orleans. Eine fachwissenschaftliche Darstellung und deren Umsetzung im Geographieunterricht der Sekundarstufe I zur Förderung der Lesekompetenz.

Diese Staatsexamensarbeit gliedert sich inhaltlich in einen fachwissenschaftlichen und einen fachdidaktischen Teil. Im ersten Teil erfolgt eine fachwissenschaftliche Auseinandersetzung mit tropischen Wirbelstürmen. Aufgrund der großen Ausmaße und der riesigen Energieumsätze können sie ein außergewöhnlich hohes Schadenspotenzial entwickeln. Neben hohen Windgeschwindigkeiten und Niederschlagsmengen folgen ihnen häufig Flutwellen und Überschwemmungen. Besonders gefährdet sind daher dicht besiedelte tropische und subtropische Küstensäume der Erde. Trotz zunehmend präziserer Vorhersage- und Warnmöglichkeiten mit einhergehenden Schutz- und Evakuierungsmaßnahmen führen Wirbelstürme immer wieder zu verheerenden Naturkatastrophen. Der im August 2005 aufgetretene Hurrikan „Katrina“ forderte im Großraum New Orleans über 1.500 Menschenleben und verursachte Schäden in Höhe von mehreren Milliarden US Dollar. Dadurch wurde die Anfälligkeit der Gesellschaft gegenüber diesen Naturgefahren in besonderem Maße verdeutlicht. Zwar hat der Wirbelsturm selbst New Orleans weitgehend verschont, seine Folgewirkungen führten dennoch zu einer Katastrophe: an mehreren Stellen brachen die schützenden Deiche zum angrenzenden Lake Pontchartrain, sodass die überwiegend unterhalb des Meeresspiegels liegende Mississippi-Metropole wie eine riesige Schüssel voll Wasser lief. In den nachfolgenden Tagen herrschte Chaos in der Stadt. Aufgrund nur schleppend anlaufender Hilfsmaßnahmen mussten viele Menschen, die beispielsweise im örtlichen Footballstadion oder im Convention Centre vor dem Hurrikan Zuflucht gesucht hatten, mehrere Tage unter menschenunwürdigen Bedingungen ausharren. Nach dem Hurrikan wurde massive Kritik an der US-amerikanischen Regierung geübt, da die bestehenden Gefahren für New Orleans seit langem bekannt waren. Fachleute haben bereits seit Jahren vor einer solchen Katastrophe gewarnt und der Regierung im Jahr 1998 den Plan „Coast 2050“ mit Maßnahmen zum Schutz von New Orleans vor Überflutungen vorgelegt, der jedoch nicht umgesetzt wurde. Insbesondere die Verstärkung der Deiche sowie die Renaturierung der schützenden Marschen und die Wiederherstellung der vorgelagerten Barriereinseln sollten mindestens zu einem Teil realisiert werden, damit der Stadt weitere Katastrophen ähnlicher Art erspart bleiben. Aufgrund der starken medialen Präsenz tropischer Wirbelstürme, insbesondere wenn diese – wie im Falle des Hurrikans „Katrina“ – zu schwerwiegenden Katastrophen führen, bietet sich bereits in der Schule eine vertiefende Auseinandersetzung mit diesem Wetterphänomen an. Zudem besteht grundsätzlich ein großes Schülerinteresse an der Thematik „Naturkatastrophen“. Mit Hilfe eines Lesetagebuches zum Thema „Katrina“ wird eine Umsetzungsmöglichkeit dieser Thematik für den Geographieunterricht der Sekundarstufe I erarbeitet, um die Schüler für die Auswirkungen von Naturkatastrophen zu sensibilisieren. Durch diese Unterrichtsmethode zur selbstständigen, kreativen und nachhaltigen Erschließung von (geographischen) Texten wird zudem eine Möglichkeit aufgezeigt, um die Lesekompetenz der Schüler zu fördern.





Bünning, Benjamin, 2009. Die Eignung von Böden für die Erdbestattung im Landkreis Osnabrück – Bewertung anhand einer GIS-basierten Darstellung und Fragebogenaktion.

Der Friedhof dient als Stätte der Beisetzung und Trauer der Angehörigen um ihre Verstorbenen. Doch in erster Linie hat der Friedhof die Aufgabe, den beigesetzten Leichnam in seine mineralischen Bestandteile zurückzuführen. In den letzten Jahren deuten verschiedene Publikationen an, dass eine Zersetzung des Leichnams in den vorgegebenen Ruhefristen nicht möglich ist. Eine problemlose Zersetzung des Leichnams hängt u. a. ab vom Wasser- und Sauerstoffgehalt im Boden, der Temperatur, den Bodeneigenschaften sowie der Grabbedeckung. Störungen des Wasserhaushaltes im Grabbereich können zu Verwesungsstörungen in Form von Leichenlipid oder Mumifikation führen. Die vorliegende Diplomarbeit befasst sich mit der Analyse der gegenwärtigen Bedingungen auf Friedhöfen im Landkreis Osnabrück. Die Grundlagen für diese Analyse liefern zum einen pedologische, hydrologische und geologische Parameter, die mithilfe eines geographischen Informationssystems (GIS) miteinander verschnitten werden. Zum anderen sollen Fragebögen, die an die Friedhofsverwaltungen im Landkreis Osnabrück versandt wurden, einen Überblick zur Einschätzung dieser Problematik auf den eigenen Friedhofsflächen geben. Die Analyse zeigt, dass auf vielen Friedhöfen im Landkreis Osnabrück pedologische, hydrologische und geologische Bedingungen vorherrschen, die sich ungünstig auf eine ausreichende Zersetzung des Leichnams auswirken, was durch bereits durchgeführte Graböffnungen und Gutachten belegt wird.





Geipel, Christian, 2009. Besonderheiten der holozänen Landschaftsgeschichte im Landkreis Friesland -- pollenanalytisch und dendrochronologisch dargestellt an der Lokalität Varel-Papierfabrik.

Die Lokalität Varel (Ldkr. Friesland) zeichnet sich durch die Einbettung fossiler Eichen (Quercus sp.) in ein früheres Niedermoor aus. Insgesamt konnten 58 Eichen dendrochronologisch an der Ernst-August-Universität in Göttingen datiert werden. Dabei wurde ein Zeitraum zwischen 2000 und 1300 v. Chr. (BC) lückenlos erfasst. Vom Niedermoor wurde ein 170 cm langer Torfkern gewonnen, der im 2 cm-Abstand beprobt und in dieser Arbeit pollenanalytisch ausgewertet wurde. Es konnte ein Zeitraum zwischen dem beginnenden Atlantikum (7000 BC) und einem nicht näher bestimmbaren Zeitpunkt im Subboreal (um 1000 BC) erfasst werden. In tieferen Lagen wurde ein spätglazialer Horizont angesprochen, der jedoch durch Umlagerungen und Aufarbeitungen nicht weiter stratifiziert werden konnte. Die Arbeit gliedert sich in zwei Themenkomplexe: Zum ersten werden die Wechselwirkungen zwischen Vegetationsentwicklung, dem holozänen Meeresspiegelanstieg und menschlicher Tätigkeit sowohl auf lokaler als auch regionaler Ebene diskutiert. Eine wichtige Rolle dabei spielt die kleinräumige Fragmentierung dieses Raumes in die morphologischen Formen Marsch, Moor und Geest, wobei letztere stark von anstehendem Lauenburger Ton durchsetzt ist. Dadurch erklären sich die sehr hohen Werte von Tilia (Linde) im Atlantikum, deren Konkurrenzkraft auf besseren Böden über Lauenburger Ton der Umgebung jene der auf den Geestflächen dominanten Eichen übertrifft. Die Ereignisse Ulmenfall und Lindenfall sind im Diagramm fassbar, jedoch konnte nur die 14C-Datierung für letzteren (2398–2061 BC) verwendet werden. Nach dem Lindenfall sind die Zeugen menschlichen Wirkens im Pollendiagramm unverkennbar: Anstieg der Nichtbaumpollen (NBP) und später das Einsetzen der geschlossenen Getreidekurve (ab ca. 1500 BC). Es konnte eine zeitliche Übereinstimmung dieses Zeitpunktes mit dem Bau eines Bohlenweges in 3 km südsüdöstlicher Entfernung belegt werden. Zum zweiten wird versucht, mittels der Eichenchronologie der 58 datierten Individuen exaktere Aussagen über das Zeit-Tiefen-Modell auf Basis der 14C-Datierungen zu treffen. Hierbei sollten die Pollen-Influx-Werte von Quercus mit der Anzahl der jeweils blühenden Bäume korreliert werden. Dies war jedoch aufgrund der unsicheren Datenlage nicht möglich.





Soltmann, York, 2009. Lithostratigraphie von Sedimentabfolgen vom Lomonosov Rücken: Signifikanz für Paläoumweltrekonstruktionen des spätquartären Arktischen Ozeans.

Der Arktische Ozean ist mit seiner im zentralen Bereich ganzjährigen Meereisbedeckung global einzigartig. In seinen Sedimenten sind Informationen über Paläoumweltbedingungen dokumentiert. Mit ihrer Hilfe ist es möglich, die Paläoumweltbedingungen zu rekonstruieren, und auf diese Weise heutige und zukünftige Entwicklungen besser verstehen zu können. Dies ist insbesondere in Hinsicht auf die seit einigen Jahrzehnten zurückgehende Meereisbedeckung und Inlandvereisungen in der Arktis von Interesse. Eine Datierung von Sedimenten anhand von Mikroorganismen ist jedoch aufgrund des schlechten Erhaltungszustandes und des hohen Zeitaufwandes schwierig. Eine gute und schnelle Methode ist daher die Korrelation von Sedimentkernen, beispielsweise anhand von Leithorizonten, die sich über weite Bereiche verfolgen lassen. So können noch undatierte Kerne in Datierungen bereits untersuchter Kerne eingehängt werden. In dieser Arbeit wurden vier Sedimentkerne vom Lomonosov Rücken analysiert und mit vorhandenen Untersuchungsergebnissen nahe gelegener Kerne auf dem Rücken verglichen. In jüngerer Zeit entdeckte Erosionsspuren von Eisbergen auf dem Lomonosov Rücken könnten Hinweise auf veränderte Strömungen in glazialen Perioden darstellen. Eine Datierung der Erosionsereignisse könnte zudem Informationen über weiter zurückliegende Zeitabschnitte ermöglichen.





Simundic, Patrick, 2009. XRF-core-scanner element distributions indicating paleoenvironmental changes during the Weichselian and the Holocene from the Scotia Sea, South Atlantic.

The Scotia Sea, belonging to the Antarctic Ocean, plays an important role for the climate system on Earth. Its highly sensitive ice cover, the exchange of surface and deep water masses with the global ocean and the coupling with the atmosphere interact directly with global climatic changes. Furthermore, the output of cold, polar water and sea ice influences the production of deep water in the South Atlantic and thus controls the global ocean. The Scotia Sea is confined along its northern, eastern, and southern margins by the North Scotia Ridge, the South Sandwich Arc, and the South Scotia Ridge, respectively. To the west it opens to the Drake Passage. West Antarctica and South America are the closest continents. Paleoenvironmental changes during the last 85.7 ka are documented by physical, geochemical and XRF data of sediment core PS2304-1 from the Scotia Sea.





Schulte-Loh, Isabell, 2009. Paläoumweltbedingungen im spätquartären Arktischen Ozean: Rekonstruktion nach sedimentologischen Untersuchungen an Sedimentkernen.

Im September 2008 wurden mit dem Forschungsschiff „FS Polarstern“ mehrere Sedimentkerne am Mendeleev-Rücken entlang eines Transekts bei etwa 80°N im Arktischen Ozean entnommen. Anhand von drei ausgewählten Kernen soll in dieser Arbeit untersucht werden, ob das lithostratigraphische Modell von Clark et al. (1980), das hauptsächlich für das Kanada-Becken entwickelt worden ist, auf das Makarov-Becken übertragen werden kann.

Stein et al. (2009) stellten anhand der Lithologie eine erste Korrelation auf. Diese diente als Grundlage dieser Arbeit. Sie soll mit Hilfe weiterer Parameter verfeinert werden. Dazu wurden die Sedimente auf ihre physikalischen Parameter, den Elementgehalt und die Gesamtmineralogie untersucht. Die drei Sedimentkerne lassen sich über die magnetische Suszeptibilität, den Dolomitgehalt und die Dichte korrelieren. Über diese Korrelation können die von Stein et al. (2009) beschriebenen lithologischen Einheiten nach Clark et al. (1980) und das dazu aufgestellte Altersmodell auf diese Kerne übertragen werden. Daraus ergeben sich Hinweise auf Paläoumweltbedingungen in dieser Region. So nimmt zum Beispiel die Sedimentationsrate von Ost nach West zu. Auffällige Lagen mit hohem Dolomitgehalt deuten auf eine Herkunft aus der kanadischen Arktis, so dass Rückschlüsse auf die Strömungsverhältnisse gezogen werden können.